Gedanken zum Wochenende oder «Das Drei-Phasen-Modell»

Wochenendtage haben ihren eigenen Charakter. Ein Eigenleben. Ein Universum im Universum. Und ich zähle den Freitagabend als Wochenendtag dazu.

Der Freitag ist die Party. Die Entspannung nach einer Arbeitswoche voller Energie, die ausgelöst werden will. So als wolle man den Frust und die Mühseligkeit abschütteln, welche man im Verlauf der Woche auf sich gepackt hat. Der Freitag ist die Leichtigkeit, die Frau, welche mit einem Glas Weisswein in der Hand ein lautes «Whooo» von sich gibt, während David Guetta im Hintergrund läuft. Der Mann, welcher sich mit den Jungs in der Stadt trifft, um sich zu berauschen. Und ich weiss, dass ich hier Stereotypien aufgreife. Doch der Freitag hat keine Lust sich zu Hinterfragen, oder politisch korrekt zu sein.

Der Freitag will nichts von Problemen wissen oder Rücksicht nehmen. Er hat keine Lust zu sparen, auf die Umwelt zu achten oder an Andere Denken. Am Freitag holt man sich etwas von der Welt zurück, nachdem man 5 Tage lang geben musste. Der Freitag kennt keine Achtsamkeit.

Und der Freitag ist Genuss und Konsum, der Ausbruch, um einen neuen Teil von sich selbst kennen zu lernen. Der Freitag will Ausbrechen, sich neu definieren und ist bereit zu erfahren, was die Welt bereithält. Der Freitag verweilt nicht. Und das geht am besten mit einer gesunden Portion Egoismus. Freitag ist die Hoe-Phase, der Hot-Girl-Summer. Er ist das Solarium, der Stone-Island-Pullover, das Sushi. Der Freitag ist ein Resett-Knopf.

Danach kommt der Samstag, der Tag zum Auftanken, aber auch zum Aufräumen, Ordnung schaffen, sortieren. Am Samstag fährst du mit Freunden an den See und holst dir die Pommes mit Egliknusperli. Am Samstag putzt Du Dein Auto und willst abends im Restaurant essen gehen. Der Samstag ist die Mitte. Der Pastrami im Sandwich. Am Samstag kaufst Du ein, bereitest einen Grillabend vor und geniesst das Vorstadtleben. Der Samstag ist eine Bootstour, auf welcher Du lässig den Wind durch Deine Haare streichen lässt, während Du Dir die Ray Ban Brille auf die Nase setzt. Der Samstag ist der Frappucchino vor dem Starbucks in Deinen Uggs. Der Samstag ist eine Basic Bitch. Und Du geniesst es.

Weil der Samstag das Gefühl von Teilhabe vermittelt. Er ermöglicht Dir, durch die Leistungen, die Du erbringst, in der Gesellschaft dabei zu sein. Und das ist schön. Der Samstag ist die Belohnung, die Du Dir erarbeitet hast. De Samstag ist das Opium für das Volk.

Danach kommt der Sonntag. Der miese Verräter. Am Sonntag hast Du keine Lust Menschen zu treffen, willst Dich entspannen und doch bist Du rastlos. Weil der Sonntag der Tag danach ist, der Kater, der Frust. Am Sonntag willst Du eine Wanderung machen, ins Fitness gehen, lesen oder Dir ein Vollbad einlassen. Weil Du für all das Zeit hättest. Doch nichts bringt den erhofften Zustand des Ausgeglichen-Seins. Egal was Du machst, der Genuss ist weg. Der Sonntag ist eine Fertigsuppe. Der Sonntag lässt Dich stundenlang durch die sozialen Medien scrollen, wie ein Zombie. Weil Du neben Dir stehst, nicht bei Dir bist. Weil ein Teil noch beim Freitag ist und Du ihn plötzlich kritisch interfragst. Und der andere Teil bereits an Montag denkt. Der Sonntag ist die Aufarbeitung, das unangenehme Gefühl, welches Dir sagt, dass der Freitag etwas ausgleichen muss, dass erst gar nicht so in Schieflage geraten sollte. Der Sonntag ist im Spannungsverhältnis zwischen Vergangenheit und Zukunft. So dass das Jetzt unwichtig wird. Der Sonntag hat Angst, vor der dem was kommt und kritisiert, das was war.

Doch es gibt Hoffnung. Der Sonntag kalibriert und stellt die Weichen neu. Der Sonntag evaluiert und trifft Anpassungen. Er sagt Dir, wie Du es nächste Woche besser machen kannst. Und zwar besser für Dich. Der Trick dabei ist, aus dem Freitag zu lernen und den Montag warten zu lassen. Der Trick ist, den Sonntag Sonntag sein zu lassen. Den Spaziergang zu machen, die Penne Cinque P zu kochen, die Sonne ins Gesicht zu halten oder ganz bewusst mit Popcorn unter die Decke zu kriechen, um sich daran zu erfreuen. Und es macht keinen Sinn, Freitag oder Montag miteinzuladen. Du bist kein Paralelluniversum. Zum Glück. Denn wenn der Sonntag Sonntag ist, ist das Jetzt eine ziemlich coole Sache.

In dem Sinne, stay safe and have fun.

2 Kommentare zu „Gedanken zum Wochenende oder «Das Drei-Phasen-Modell»“

  1. Zu deinem Intro:
    Also Covid ist nicht das Problem, es gibt massenweise Sachen die man machen kann bzw. unternehmen auch ehemals bei den Lockdown Zeiten. Sei froh warst du nicht in Südamerika…da hättest du wirklich jammern können.

    Singel: In CH eine Frau und Singel ist ja normal. De Fünfer und Weggli Strategie funktionierte im 20 Jahrhundert.
    Echte Lust auch mit eine gebunden Mann oder echte Affäre, lässt bis heute eure Erziehung, Religion, Tradition nicht zu.
    Also auch hier kein Gejammer notwendig.
    Zu deinem Bericht: Plan halt was ausser nur saufen, Party, Lifestyle Gebrabbel oder digital vereinsamen.
    Du bist doch 29, geniess die echte Lust, Leidenschaft oder wag mal was z.b. eine Affäre
    Du wirst sehen Fr -So verschwindet die Zeit in der Ewigkeit

    oder seid ihr wirklich Glücklich mit dem städnigem Gejammer ?

    1. Lieber spät als nie:
      Vielen Dank für deinen Kommentar 🙂
      Tatsächlich geht es in diesem Text für Einmal weder um Covid, noch sauffen, noch Party. Viel mehr wollte ich das Gefühl von „Das kann nicht alles gewesen sein“ vermitteln. Wie man unter der Woche aufs Wochenende hinfiebert, das eigene Geld verdient um es gleich wieder auszugeben. Darüber, wie ich teilweise verlernt habe das „Jetzt“ zu schätzen. Es ist ein Text über Achtsamkeit, wenn man so will. Darüber, dass ich Achtsamer sein will. Auf was ich hinfiebere, womit ich meine Zeit verbringe, wofür ich mein Geld ausgebe und in was ich Energie investieren will. Es ist ein Text, in welchem ich mich hinterfrage, warum der Freitag der Konsum ist, warum man ein Ventil braucht von der Woche. Es wäre ja viel besser, wenn sich nicht so ein Frust aufbauen würde. Genauso, wie die anderen Tage kritisch anzuschauen sind und wofür sie stehen. Sich zu überlegen, warum man Woche für Woche in Schieflage gerät, sich mit Dingen beschäftigt die frustrieren, um sie kommende Woche repetitiv zu erleben.
      Aber Kunst liegt im Auge des Betrachters und jeder interpretiert sie, je nachdem welche Brille aufgesetzt wird. 🙂
      Liebe Grüsse!
      Aunty B.

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